Ludwigsau liest ein Buch!

30.11.2019

Ludwigsau hat Eugen Ruges Buch mitgelesen.

Im Reiloser Bürgerhaus bekamen die Akteure aus „In Zeiten des abnehmenden Lichts" ein Gesicht.

Wenn schon, denn schon. Mit gleich großem Personaltableau las erstmals auch Ludwigsau bei der diesjährigen Bad Hersfelder Buchleseaktion mit. Im Reiloser Bürgerhaus, in dem sich rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer, mehr Frauen als Männer, „in Zeiten des abnehmenden Lichts“ auf literarische Reise begab.

Im Unterschied zu allen anderen Veranstaltungen ging es bei der von Bärbel und Wulf König mit viel Liebe organisierten Reise dramatisch zu. Nicht aus dem 2011 erschienenen, preisgekrönten Roman von Eugen Ruge lasen die Akteure vor, sondern aus der für das Deutsche Theater Berlin geschriebenen, 2013 uraufgeführten Bühnenfassung. Gelegenheit, Ruges im Werk widergespiegeltes Leben - mit Begleitung durch Bärbel König und Iris Plass-Geißler – noch lebendiger oder zumindest anders lebendig werden zu lassen, was unterschiedlich eindrucksvoll gelang. Was allerdings auch an den Rollen lag, die die acht Vorleserinnen und Vorleser übernommen hatten.

Am lebendigsten kam Irina (Helga Völker), die Frau von Kurt (Wulf König), herüber. Alexander (Reinhard E. Matthäi) hätte ein bisschen jünger wirken dürfen, über seine Frau Melitta (Marie-Louise Harms) wurde immer wieder gewitzelt: „Die Kaffeetüte!“ Nadjeshda Iwanowna (Bärbel König), Irinas Mutter, trat originell in Erscheinung, sprach und sang sogar auf Russisch. Fast schon originell war auch, dass der ausgewiesene Grüne Friedrich-Wilhelm von Baumbach den Part des überzeugten Kommunisten Wilhelm und Ehefrau Christa den der nicht weniger überzeugten Ehefrau Charlotte übernommen hatten und gut ausfüllten. Letzter im Bunde war der für Bürgermeister Wilfried Hagemann eingesprungene Heinrich Stiebing, der als Vertreter des Bezirkssekretärs an Wilhelms 90. Geburtstag die obligatorische Lobesrede hielt und ihm an diesem Tag, an dem vor allem über die Situation in der Familie und den abnehmenden Zusammenhalt diskutiert wurde, den Vaterländischen Verdienstorden in Gold überreichte.

Alles in allem gestalteten die Protagonisten einen interessanten, auch witzigen, erste Einblicke in Leben und Seelenleben einer DDR-Familie ermöglichenden, anregenden Abend. Marlies Fey aus Breitenbach an der Fulda lobte in der Pause, dass die Zusammenhänge erklärt werden, und dass Ruges feinsinniger Humor gut zum Ausdruck kommt. Das schönste Kompliment jedoch machten beim Verabschieden drei Damen: „Schade, dass alles schon vorbei ist.“

Aber das muss ja nicht der Fall sein, hat die Gemeinde die Veranstaltung doch wohlwollend unterstützt. Und warum sollte man im dafür gut geeigneten, gemütlichen Reiloser Bürgerhaus nicht mal wieder etwas Literarisches wagen?

(Bericht und Bilder von Wilfried Apel)

Sie ermöglichten, dass in Reilos vorgelesen werden konnte: Wulf König (von links),
Reinhard E. Matthäi, Helga Völker, Bärbel König, Marie-Louise Harms, Friedrich-Wilhelm
und Christa Baumbach, Heinrich Stiebing und stehend Iris Plass-Geißler.

Bärbel König bei der Begrüßung der ca. 60 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Besatzung der originell dekorierten Lesebühne mit einem
Foto des Schriftstellers Eugen Ruge.

Blick in den Zuschauerraum. Das im Nebenraum sitzende
Auditorium ist leider nicht sichtbar.